Aktuelle Entwicklungen und Bedarfe
Mädchenberatungsstellen leisten essenzielle Arbeit, um geschlechtsspezifische Benachteiligungen abzubauen und Mädchen und junge Frauen nachhaltig zu stärken. Warum es diese Angebote dringend braucht, zeigt ein Blick auf die aktuellen Statistiken:
- Psychische Gesundheit: 31 % der Mädchen (vs. 19 % der Jungen) sind mit ihrem Leben nicht sehr zufrieden. Häufige Beschwerden: Schlafprobleme, Nervosität, Zukunftssorgen, Niedergeschlagenheit, Gereiztheit [1]. Mädchen sind außerdem überproportional davon betroffen (70%), als sog. Young Carer Familienmitglieder zu betreuen. Sie erleben dadurch starke körperliche und psychische Belastungen [2].
- Geschlechterstereotype Sozialisation prägt uns früh: Mädchen unterschätzen ihre mathematischen Fähigkeiten schon sehr früh in ihrer Schulzeit. Jungen dagegen halten sich für begabter, als es die Noten rechtfertigen [3]. Im digitalen Raum verbreiten sich stereotype rückwärtsgewandte Geschlechterrollen durch Tradwife-Inhalte und radikale Männlichkeitsvorstellungen.
- Berufswahl: Geschlechtstypische Prägung (häufigste Lehrberufe: Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Friseurin). In Gewerbe/Handwerk und Industrie: Nur 19% bzw. 19,2 % weibliche Lehrlinge [4].
- Körperbild: Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. Der Selbstwert wird zunehmend am Aussehen festgemacht [5]. Nur 66 % der Mädchen haben eine positive Einstellung zu ihrem Körper [6].
- Essstörungen betreffen zu über 90% Mädchen und Frauen [7].
- Stationäre Behandlungen: 2024 wurden doppelt so viele Mädchen wie Jungen in Kinder- und Jugendpsychiatrien behandelt [8].
- Sexualität: Körper und Sexualität von Frauen sind nach wie vor schambesetzte Themen. Dabei ist ein positiver Körperbezug eine wichtige Voraussetzung für lustvolle und selbstbestimmte Sexualität und wirkt auch gewaltpräventiv. Mädchen wünschen sich sexuelle Bildung in geschlechtshomogenen Gruppen [9].
- Gewalt im Netz: 32 % der Mädchen und Frauen in Österreich sind davon betroffen – besonders 15- bis 18-Jährige, Mädchen und Frauen mit anderen Erstsprachen als Deutsch und queere Mädchen und Frauen [10].
- Politische Partizipation: 4 von 5 Mädchen (81%) haben das Gefühl, dass ihre Stimme bei politischen Entscheidungen nicht gehört wird (bei Jungen sind es 74 %) [11].
Mädchen und junge Frauen sind in vielen Bereichen deutlich stärker belastet als Jungen und junge Männer.
Die Zahlen bestätigen die Erfahrungen, die mädchenspezifische Einrichtungen in ihrer Arbeit machen: In vielen Mädchenberatungsstellen sind die Anfragen in den letzten Jahren um über 50 Prozent angestiegen.
Stärken von spezialisierten Angeboten
Spezialisierte Mädchenberatungsstellen reagieren dynamisch auf geschlechts- und altersspezifische Belastungen, sowie Anliegen und Bedürfnisse von Mädchen und jungen Frauen. Sie bieten einen geschützten Raum, in dem Mädchen und junge Frauen individuelle Unterstützung, diskriminierungssensible Beratung und Begleitung zu einer Vielzahl an Themen erhalten. Intersektionale Perspektiven sind fester Bestandteil der Beratungspraxis: Durch die Anerkennung verschiedener Lebensrealitäten und Herausforderungen, können niedrigschwellige Zugänge, zielgruppengerechte Ansprache, flexible Öffnungszeiten und vertrauensvolle Beziehungen wirklich für alle gestaltet werden – die Grundlagen wirksamer Beratungs- und Präventionsarbeit.
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Alle Informationen im beiliegenden Positionspapier.
Kontakt
Sie möchten mehr über die Arbeit der Frauen- und Mädchenberatungsstellen erfahren oder haben Fragen? Wir freuen uns von Ihnen zu hören:
Angelika Atzinger (Verein Amazone)
Ansprechperson für Bundesland Vorarlberg
a.atzinger@amazone.or.at
Text und Bilder: Verein Amazone