Krebserkrankungen sind eine besondere Herausforderung. Moderne Datenanalysen, Früherkennung und partizipative Forschung dienen als Grundlage für eine bessere Krebsversorgung in Vorarlberg. Wie zum Beispiel für Brustkrebspatientinnen oder Obdach- und wohnungslose Menschen. Hier bieten aktuelle Forschungsprojekte mit Vorarlberger Beteiligung der aks gesundheit GmbH Lösungen.
Seit mittlerweile 48 Jahren erfasst das Vorarlberger Krebsregister* die Krebserkrankungen in Vorarlberg. Doch das ist nur ein Teil der täglichen Arbeit der aks Wissenschaft. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den Daten dienen ebenso der Planung und Weiterentwicklung der Versorgung Betroffener.
Wissenschaftliche Auswertung des Brustkrebs-Screenings
Ein zentraler Schwerpunkt liegt aktuell auf der wissenschaftlichen Auswertung des Mammographie-Screenings in Vorarlberg. Mithilfe moderner statistischer Verfahren – unter Anwendung des sogenannten Target-Trial-Ansatzes – untersucht Wolfgang Brozek, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der aks Wissenschaft, die Wirksamkeit des Screening-Programms. Dafür werden Nutzen und Effekte der Früherkennung differenziert beurteilt und so die Brustkrebsvorsorge für Frauen laufend verbessert.
Neben der zahlenbasierten Register- und Evaluationsarbeit setzt die aks Wissenschaft auch auf partizipative Forschungsprojekte im Bereich Public Health. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt LISTEN-IN:
Projekt für die Krebsversorgung Obdach-, Wohnungsloser und prekär Wohnender
Besonders hervorzuheben ist bei diesem Projekt die aktive Einbindung Betroffener als Co-Forschende. Kristin Ganahl, Leiterin der aks Wissenschaft macht die Erfahrungen, Barrieren und Bedürfnisse dieser benachteiligten Bevölkerungsgruppe mit Hilfe der PhotoVoice-Methode sichtbar. Ziel ist es, strukturelle Hindernisse aufzuzeigen. Dazu zählen etwa fehlende Zugänge zu Vorsorge und Nachsorge, mangelnde Kontinuität in der Behandlung oder Schnittstellenprobleme zwischen Gesundheits- und Sozialsystem. Mit dieser wertvollen Grundlage kann künftig eine chancengerechtere Gestaltung von Versorgungsangeboten geschaffen werden.
Interaktiver Krebsregisterbericht: Transparenz und datenbasierte Planung
Seit wenigen Monaten sind zudem alle aktuellen und historischen Daten im interaktiven Krebsregisterbericht öffentlich zugänglich. Dieser ermöglicht differenzierte Auswertungen nach Alter, Geschlecht, und Tumorart und stellt eine zentrale Grundlage für die evidenzbasierte Gesundheitsplanung vor allem für die behandelnden Gesundheitsberufe dar: https://www.krebsregister-vorarlberg.aks.or.at
Wissenschaftliche Grundlagen für Public Health in Vorarlberg
„Unsere Aufgabe ist es, Gesundheitsdaten nicht nur zu sammeln, sondern sie mit modernen Methoden so auszuwerten, dass sie konkrete Verbesserungen ermöglichen“, betont auch Emanuel Zitt, ärztlicher Leiter der aks Wissenschaft den Wert der Wissenschaft für die Praxis. „Das reicht von der Evaluation zentraler Vorsorgeprogramme bis hin zu Projekten, die eine evidenzbasierte Weiterentwicklung des Gesundheitssystems unterstützen. Das alles bietet die aks Wissenschaft.“
Aktuelle Fakten aus dem Vorarlberger Krebsregister
Anlässlich des Weltkrebstages macht das Vorarlberger Krebsregister auf aktuelle Entwicklungen in der Krebsversorgung aufmerksam.
Die aktuelle Auswertung des Krebsregisters für die Jahre 2023–2024 zeigt, dass in Vorarlberg im Jahresdurchschnitt 2.078 Personen erstmals an Krebs erkrankten – davon
945 Frauen und 1.133 Männer.
Häufigste Krebsneuerkrankungen 2023–2024
Bei Frauen waren die häufigsten Krebsneuerkrankungen:
1. Brustkrebs (30,3%, davor: 30,7%)
2. Lungenkrebs (9,8%, davor: 9,8%)
3. Darmkrebs (8,9%, davor 8,2%)
Bei Männern dominierten:
1. Prostatakrebs (30,7%, davor 28,6%)
2. Lungenkrebs (11,4%, davor 10,6%)
3. Darmkrebs (8,6%, davor 8,6%)
Langfristig betrachtet (über die letzten 10 Jahre) zeigt sich:
· bei Frauen eine weitgehend konstante Anzahl von Neuerkrankungen bei sinkender Mortalität (–2,9 % pro Jahr),
· bei Männern eine rückläufige Anzahl von Neuerkrankungen (–0,3 % inkl. Prostatakarzinom; –1,2 % exkl. Prostatakarzinom) sowie eine sinkende Mortalität (–1,9 % pro Jahr).
Krebs als langfristige Herausforderung
Ende 2023 lebten in Vorarlberg mehr als 21.000 Menschen mit einer Krebsdiagnose seit 1990. Diese hohe Erkrankungszahl unterstreicht die Bedeutung von Nachsorge, psychosozialer Begleitung und langfristiger Versorgung.
Das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung betrug 67 Jahre bei Frauen und 69 Jahre bei Männern. Gleichzeitig waren 15,4 % der Frauen und 9,1 % der Männer jünger als 50 Jahre – ein Hinweis darauf, dass Krebs auch Menschen im erwerbsaktiven Alter betrifft.
„Die aktuellen Auswertungen zeigen einerseits die hohe Relevanz von Krebs für die Bevölkerung – bis zum Alter von 80 Jahren erkrankt jede und jeder Dritte an einer Krebserkrankung, andererseits aber auch, dass sich Investitionen in Früherkennung und Versorgung auszahlen. Transparente Daten sind dabei ein entscheidender Schlüssel für nachhaltige Verbesserungen“, erklärt Patrick Clemens, Leiter des Vorarlberger Krebsregisters.
Die aks Wissenschaft
*Als anerkannte Forschungseinheit der aks gesundheit GmbH betreibt die aks Wissenschaft eine umfassende epidemiologische Forschungsinfrastruktur, darunter das Vorarlberger Krebsregister, die aks Gesundheitsdatenbank, wissenschaftliche Evaluationen und partizipative Forschungsprojekte. Diese Infrastruktur bildet eine zentrale Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen in Politik, Versorgung und Prävention.
Kontakt
Andrea Niemann, Kommunikation,
aks gesundheit GmbH
eMail: andrea.niemann@aks.or.at
Mobil: +43 664 80283621
Text: aks gesundheit